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Außerhalb der Brutzeit

Die Beutelmeisen verlassen im Spätsommer ihre angestammten Brutreviere. Man trifft sie dann, meist in kleinen Trupps, im Schilf an den Ufern von Gewässern an. Die Vögel gehen dort, verborgen zwischen den dicht stehenden Halmen, der Suche nach Insekten und Spinnen nach und stossen nur hin und wieder ihre Stimmfühlungsrufe (ein meist kürzeres “Zih”) aus, an denen sie erkannt werden können. Nur gelegentlich tauchen sie auf den Rispen der Schilfhalme auf, oder sie sonnen sich an windgeschützten Stellen am Rand des Schilfwaldes.
Winternachweise sind ausgesprochen selten, wie das unten stehende Zugdiagramm ausweist, doch im Februar/ März 1964 hielt sich ein kleiner Trupp wochenlang im Schilf des Malliner Sees auf, und dies bei streng winterlichen Temperaturen. Unweit ihres Aufenthaltsortes, am Südufer des Sees, fand ich im Mai desselben Jahres das erste Nest (s. das Foto weiter vorn). Offenbar hatte sich der Trupp, nach erfolgreichem Überwinterungsversuch, am selben Ort angesiedelt.

Zugdiagramm.
Diesem Diagramm, in “Der Falke” 1984/1 von mir veröffentlicht, liegen Daten von etwa 60 Feld- Beobachtern aus den früheren drei Nordbezirken der DDR zugrunde.
Man sieht, dass vor allem der Wegzug (im Herbst) von Bedeutung ist, wobei zu bemerken wäre, dass der eigentliche Zug in die westlich gelegenen Winterquartiere erst um die Monatswende August/ September einsetzt. Vorher kommt es zu Ansammlungen, insbesondere von Jungvögeln, die in der näheren oder ferneren Umgebung ihres Geburtsortes umherstreichen und in optimalen Habitaten ihr Jugendgefieder vermausern.
Im Frühjahr erscheinen die ersten Rückkehrer, je nach Witterung, Ende März bis Mitte April in ihren Brutgebieten.

Winterhabitat am Südufer des Malliner Sees im Frühjahr 1964. An dieser Stelle hielten sich mehrere Beutelmeisen ( 2.2.-  7 Expl.; 1.+ 8.3.- 5 Expl.) im dichten Schilfbestand auf.
Es herrschten Temperaturen von - 2o C am Tage und - 10o C nachts. Der See war mit einer dicken, begehbaren Eisschicht bedeckt.
Abgesehen von einzelnen Nachweisen im März 1967 und 1971 konnten hier nie wieder derartig zeitig, und noch dazu bei winterlicher Witterung, Beutelmeisen festgestellt werden, sodass es sich um eine Einmaligkeit handelt, die wohl nur unter den seinerzeit herrschenden Bedingungen der Neuansiedlung der Art auftreten konnte
.

Die Beutelmeisen hielten sich vorwiegend in den mittleren und unteren Regionen des Schilfs auf und waren im Gewirr der Halme schwer zu finden. Doch ich konnte mich ihnen, indem ich mich an ihren leisen Rufen orientierte, schliesslich bis auf etwa  6 m Entfernung nähern.
Offenbar befanden sie sich, angeregt durch das schöne windstille Wetter, bereits in Paarungsstimmung, brachten einige leise Gesangsstrophen und die später am Nest oft von den Partnern geäusserten, intim plaudernden Rufe, die wie “tütütü” klingen.
Wie das linke Bild zeigt, waren manche Vögel zu zweit bei der Nahrungssuche. Möglicherweise könnten diese bereits miteinander verpaart gewesen sein.
Offenbar sind Schilfsamen als Nahrung weniger begehrt; denn die Vögel untersuchten nicht die Rispen, sondern nur die Halme, vor allem abgebrochene. Genauer betrachtet, wiesen viele Halme (auch von Großseggen) kleine Löcher in ihrer Wandung auf. In den inneren Hohlräumen findet man überwinternde Insekten (z.B. Chrysomeliden und andere kleine Käfer, Fliegen, Larven und -puppen in Kokons), sowie Spinnen.
Wahrscheinlich reißen nahrungssuchende Beutelmeisen bereits vorhandene Öffnungen weiter auf (Fraßstellen der Insekten oder die von anderen Meisenarten, z.B. Blaumeisen, aufgemeißelten Löcher), um an ihre Insekten/Spinnennahrung zu gelangen. Desgleichen werden trockene Blattscheiden von ihnen abgerissen.
Spuren im Schnee und feine Späne (Fotos unten)zeugen von ihrer Tätigkeit.

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