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Bedrohte Arten unter den Kleinvögeln

Stellvertretend für viele andere Spezies möchte ich nachfolgend
die prekäre Bestandssituation einiger Arten der Passeriformes
noch einmal besonders herausstellen, die sich bedauerlicherweise nicht solcher Aufmerksamkeit durch die Öffentlichkeit erfreuen, wie beispielsweise viele Großvögel.

Der Brutbestand der unten genannten Kleinvogelarten ist stark gefährdet!

Wiesenpieper,
Anthus pratensis
Sein Brutvogelbestand ist seit etwa 1980 im Gebiet um etwa 70% zurückgegangen. Ausserdem ist feststellbar, dass auch die Anzahl der im Frühjahr und Herbst durchziehenden Vögel sehr stark abgenommen hat.

Baumpieper, Anthus trivialis
Sein Bestand ist ähnlich stark in Mitleidenschaft gezogen worden, wie der des Wiesenpieper. Zahlreiche Stellen, an denen diese Art früher gehäuft vorkam, wie z.B. am Malliner Wasser, sind heute völlig verwaist.

Schafstelze, Motacilla flava
Bei der früher auf Wiesen und Feldern häufigen Schafstelze kann man seit Beginn der 1980er Jahre einen drastischen Rückgang um etwa 95% feststellen. Nur einzelne Paare haben sich, auf Feldhabitaten, halten können.

Braunkehlchen, Saxicola rubetra
Die Brutbestände des Braunkehlchens erlitten in den Wiesen des Malliner Sees einen Rückgang von annähernd 70%. Insgesamt gesehen dürfte der Rückgang noch weit höher liegen, wenn man das größere Umfeld mit einbeziehen würde; denn das Braunkehlchen ist überall dort verschwunden, wo es früher Straßen- und Bahnrandstreifen in nicht geringer Zahl besiedelte!

Schlagschwirl, Locustella fluviatilis
Dieser Schwirl ist mittlerweile so selten geworden, dass ein Rückgang von 90% wohl zu niedrig gegriffen ist. In manchen Jahren fehlte er völlig im Revier. Dies trifft auch für die Tollenseniederung bei Neubrandenburg zu.

Sumpfrohrsänger, Acrocephalus palustris
Die Art leidet unter einem starken Einbruch von mindestens 70 - 80%. Von früher her kenne ich diesen Rohrsänger als Vogel, der nicht nur die vegetationsreichen Uferbereiche der Gewässer besiedelte, sondern auch diverse Feldhabitate mit ihren Söllen und Hecken. Besonders dort ist er heutzutage nur noch in geringem Grade anzutreffen.    

Schilfrohrsänger

Schilfrohrsänger, Acrocephalus schoenobaenus
Diese Art kann als Beispielobjekt für das Artensterben unter den Kleinvögeln par excellence gelten!
Am Malliner See war ab 1981 bis zum Jahr 2000 ein Rückgang von 98% zu verzeichnen. Seit Abschluss der Zählungen dort (nur noch 1 - 2 singende Männchen waren zu hören, von ehemals 42 im Jahr 1975) sind weitere Jahre vergangen, und der lokale Bestand dürfte inzwischen erloschen sein!
Dieses Ergebnis ist wahrhaft erschreckend; denn bei dieser Art handelte es sich früher geradezu um einen “Allerweltsvogel”, der nicht nur an den größeren Gewässern vorkam, sondern bis etwa Mitte der 1950er Jahre auch viele Feldsölle besiedelte.
Seit ich in der Tollenseniederung beobachte, konnte ich die Art auch hier nur in einem einzigen Fall nachweisen (Brut unwahrscheinlich)!
Zu befürchten ist, dass dem Schilfrohrsänger im Land das gleiche Schicksal droht, wie schon viele Jahre zuvor dem Seggenrohrsänger. Acrocephalus paludicola.
In diesem Zusammenhang erscheint es mir völlig unverständlich, dass der Art nur die Kategorie 3 (gefährdet) in der Roten Liste MV “zugeteilt” wurde. Hier waren Ignoranten am Werk!!!

Dorngrasmücke, Sylvia communis
Auch bei dieser Art ist am Malliner See ein Rückgang von etwa 90% zu konstatieren. Nicht nur dort, sondern auch in der weiteren Umgebung fehlt die vormals häufige Art auf weiten Strecken. Auch in der Tollenseniederung bei Neubrandenburg bin ich seither nur einem einzigen singenden Männchen begegnet.

Grauammer, Emberiza calandra
Seit Beginn der 1990er Jahre ist diese Ammer im Gebiet zwischen Neubrandenburg und Penzlin fast vollständig verschwunden. Gesangsnachweise einzelner Männchen sind rar geworden und kommen nur noch sporadisch vor. Die Grauammer galt früher geradezu als Charaktervogel der Landstraßen und Chausseen, an denen man ihren Gesang alle paar 100 Meter hören konnte, und war auch auf Wiesen und Weiden weit verbreitet.

Mehr oder weniger starke Bestandsrückgänge sind auch bei folgenden Arten zu verzeichnen (ich nenne hier nur eine Auswahl):
Haubenlerche, Galerida cristata; Feldlerche, Alauda arvensis; Zaunkönig, Troglodytes troglodytesSteinschmätzer, Oenanthe oenanthe;  Weißsterniges Blaukehlchen, Luscinia svecica cyanecula; Rotkehlchen, Erithacus rubecula, Rohrschwirl, Locustella luscinioides; Feldschwirl, Locustella naeviaDrosselrohrsänger, Acrocephalus arundinaceus; Gelbspötter, Hippolais icterina, Raubwürger, Lanius excubitorNeuntöter, Lanius collurio und Pirol, Oriolus oriolus. Unter den Finkenvögeln ist es vor allem der Buchfink, Fringilla coelebs, der starke Bestandseinbußen erlitten hat (u. a. durch das reihenweise Abholzen von Alleebäumen). Auch der unter den Belastungen der Agrarwirtschaft leidende Bluthänfling wäre hier zu nennen,

Beim Sprosser, Luscinia luscinia ist der merkliche Rückgang (bei leichter Zunahme der Nachtigall, Luscinia megarhynchos) möglicherweise (mit) auf die Klimaerwärmung zurückzuführen (Ausweichen der Art in Richtung Norden, welches schon bei mehreren Tierarten konstatiert wurde).


Abschließend möchte ich einen kurzen Rückblick halten:
Ich selbst habe jahrzehntelang auf dem Lande gewohnt und kann daher, bei einem Vergleich zu früheren Zeiten, einschätzen, wie wenig hoffnungsvoll es um unsere Vogelwelt mittlerweile bestellt ist!

Wenn ich an die 1950er Jahre zurückdenke, da lagen viele Städte und manche Dörfer noch in Trümmern, doch die Natur war weitgehend intakt geblieben.

     Gottberg   Hofseite
   
      Wohn- und Geschäftshaus meiner Eltern in Pommern vor 1945 (Fassade und Hofseite mit Veranda und Saalüberbauung)
       (Computergrafiken, mittels eines speziellen Softwareprogramms (Raytracing) nach alten Fotos und Plänen von mir angefertigt) 

Damals ging ich noch zur Schule. Die Familie hatte nach dem Krieg Haus (s.o.) und Habe in Pommern verloren, und der Vater war im Frühjahr 1945 gefallen. Nach der erzwungenen Umsiedlung im Sommer 1945 von Pommern ins Mecklenburgische wohnten wir jahrelang bescheiden zur Miete auf einem dörflichen Anwesen.

In dem großen Obstgarten des Grundstücks, auf dem wir nach dem Krieg wohnten, brüteten unwahrscheinlich viele Vögel, wie ich es seitdem nie mehr erlebt habe!
Bestimmungsbücher und Fernglas waren damals für mich purer Luxus, und ich besaß weder das eine, noch das andere. Doch waren mir viele Vogelarten noch von der alten Heimat her im Gedächtnis geblieben. Diese Kenntnisse verdankte ich besonders meinem vielseitig (auch ornithologisch) interessierten Vater und einschlägigen Fachbüchern aus seiner Bibliothek, die durch Kriegseinwirkung verloren gegangen war.
Das erste kleine neue ”Vogelbuch”, mehr ein Heft, (aus dem Verlag Volk und Wissen) schenkte mir später mein älterer Bruder, von dem ich damals in puncto Ornithologie noch einiges lernen konnte.

Ganz nebenbei gesagt, kann man heute feststellen, dass “Vogelbücher” und die in letzteren dargestellten und beschriebenen Objekte, rein materiell gesehen, in einem reziproken Verhältnis zueinander stehen: Damals gab es nur wenige Bücher, aber Vögel en masse, heute verhält es sich genau umgekehrt!
Bald werden wir viele unserer gefiederten Freunde wohl nur noch in großformatigen Prachtwerken “bewundern” können, in denen jedoch (um den Käufer rsp. Leser nicht zu “verschrecken”) meist von der miserablen Lage, in der sie sich befinden, kaum oder überhaupt nicht die Rede ist!

Von der Reichhaltigkeit des Vogellebens im Umfeld unserer neuen Bleibe konnte man sich bereits im Frühjahr überzeugen, wenn ganze Flüge von Bluthänflingen den Garten regelrecht “überschwemmten”, die Weibchen nach Nistgelegenheiten suchten und die Männchen sich dabei ein tolles Wettsingen lieferten. Später fand ich dann zahlreiche Nester in den Beerensträuchern. Im Garten, sowie auf den Linden der nahen Chaussee, nisteten außerdem Stieglitze, Grünfinken und Buchfinken. Hintenab, an den Gräben und Böschungen der abgebauten Bahnstrecke, lebten Rebhühner, Braunkehlchen, Dorngrasmücken und Goldammern. Außer den schier unzähligen Feldlerchen belebten viele Sumpfrohrsänger die weiten Korn- und Rapsfelder durch ihre unermüdlichen Gesänge, die man oft bis in die späte Nacht hinein hören konnte. Ringsum erscholl Wachtelschlag. Schafstelzen hatten ihr Nest am Wiesenrand, und am Feldsoll sangen Schilfrohrsänger und Rohrammern. Auf den alten Weiden der Feldhecke klirrte die Grauammer ihr einfaches Lied und unten im Bachtal versuchten sich viele Baumpieper gegenseitig beim “Gesangswettstreit” auszustechen. Hier perlten auch die zarten Lieder der Rotkehlchen im Gebüsch, und der Grünspecht zimmerte sich seine Nisthöhle.

Zur kalten Jahreszeit gab es nicht weniger zu entdecken! Auf der verschneiten Feldmark mit den unkrautreichen Rainen stellten sich regelmäßig große Scharen von Berghänflingen ein, denen sich nicht selten Ohrenlerchen und Schneeammern zugesellten. Ihren Spuren folgte der Merlin, und auch die eleganten Kornweihen jagten auf den Feldern. Auf den Astspitzen einzelnstehender Feldbäume hielt der Raubwürger nach Beute Ausschau, und am Bach in den Erlenbrüchen gingen nicht nur Erlenzeisige, sondern in manchen Jahren auch viele Birkenzeisige ihrer Nahrungssuche nach. In den Buchenwäldern stellten sich nicht selten riesige Scharen von Bergfinken ein, eine Art, die man damals auch oft an den dörflichen Futterplätzen antraf.

Von all´ dieser Vielfalt ist heute nur noch wenig geblieben! Nicht nur unsere heimischen Brutvögel, sondern auch die Durchzügler und Wintergäste aus dem Osten und Norden machen sich in zunehmendem Maße rarer.

Abschließend sei auch der Flora der dörflichen Umgebung gedacht, die inzwischen all´ ihre attraktiven Arten verloren hat!
Die Wiesen am mäandrierenden Bach (Malliner Wasser) waren früher üppig und noch nicht von der intensiven Landwirtschaft und der Bachbegradigung gezeichnet. Zwischen den hohen Gräsern wuchsen als kleine rote Kostbarkeiten die Breitblättrigen Kuckucksblumen, Dactylorhiza latifolia, und an quellmoorartigen Hanglagen fanden sich botanische Attraktionen wie die Sumpfsitter-Orchidee, Epipactis palustris, der Sumpf-Dreizack, Triglochin palustre, sowie der Teufelsabbiss, Succisa pratensis. Eine Bachbiegung wurde vom Dreiblättrigen Fieberklee, Menyanthes trifoliata, geschmückt. Auf einer benachbarten trockenen Hügelkuppe (“Fuchsberg”) befand sich ein Vorkommen des Berghaarstrangs, Peucedanum oreoselinum, des Rötlichen Fingerkrautes, Potentilla heptaphylla, und der Büschel-Glockenblume, Campanula glomerata. Hier wurde später ein Melkstand der örtlichen LPG eingerichtet und vom Rindvieh alles für immer niedergetrampelt.

Bem.:Die unten abgebildete Wiese ist nicht mit der am Malliner Wasser identisch.

Trollblumenwiese
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