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Jahreszeitliche Abläufe

Nachfolgend seien einige Angaben über die jahreszeitlichen Abläufe bezüglich der Nestbau- und Brutaktivitäten der Beutelmeise gemacht, die den Raum Neubrandenburg betreffen und die man zumindest für Ostmecklenburg und Vorpommern verallgemeinern kann.
(Nahezu unveränderte Kopie aus meinem unveröffentlichten Manuskript, das den Zeitraum von 1964 bis 1968 und 1982 bis 1999 behandelt).

Besetzung der Brutreviere: Im Frühjahr werden die Reviere, in Abhängigkeit von der Witterung, frühestens in der letzten Märzdekade von den einzelnen Männchen oder Paaren besetzt, doch in den meisten Jahren erfolgt dies um Mitte April, in naßkalten Frühjahren erst in der letzten Aprildekade (Durchschnittswert von 16 Jahren: 9.4.; Extremwerte: 26.3.1991, 24.4.1998). Die Weibchen treffen in der Regel erst eine Woche nach den Männchen ein, meist nach Mitte April. Neuansiedlungen von meist einzelnen Männchen, die vermutlich ihr Nistgebiet gewechselt haben, finden ferner zwischen Mitte Mai und Mitte Juni statt, mit dem Höhepunkt Ende Mai.

Nestbaubeginn: Zwischen der Reviereinnahme und dem Beginn der Nestbautätigkeiten vergeht im Frühjahr eine Zeitspanne von 1 - 10 Tagen (Extremwert 1989: 22 Tage). Nach meinen Feststellungen wurde der Bautrieb ausgelöst, wenn sich die Tagesmitteltemperaturen der 10o-C-Marke näherten oder diese - wenn auch nur kurzfristig - überstiegen (50% aller Fälle), bzw. nach einem solchen Temperaturmaximum bereits wieder im Absinken begriffen waren (25% aller Fälle), sodass danach der Nestbau mitunter sogar zwischen Schnee- und Graupelschauern weiter vonstatten ging. Bei zwei Nistungen, die vor dem 10. April begannen, wurde diese Temperaturabhängigkeit in jedem Fall nachgewiesen.
Nur in witterungsmäßig begünstigten Jahren können vereinzelt die Nestbauaktivitäten bereits Ende März beginnen (26.3.1991), jedoch erst nach dem 10. April erfährt die Anzahl der nestbauenden Beutelmeisen eine erhebliche Steigerung. Diese Tendenz setzt sich bis Ende des Monats fort, um dann in der 1. Maidekade wieder etwas abzufallen. Die meisten Vögel beginnen um Mitte Mai mit der Bautätigkeit. Nach dem 20. Mai geht die Zahl fast um die Hälfte zurück. Ein weiterer Rückgang erfolgt bis zum gänzlichen Einstellen von Neu-Nistungen vor Ende Juni.
Die Zweigipfligkeit des Diagramms (s. u.) bleibt auch dann erhalten, wenn man Erst- und Folgenistungen (Zweit- und Drittnester desselben Männchens) voneinander trennt. Über die Ursache dieser Erscheinung kann man vermuten, dass um Mitte Mai Vögel, deren Brut gestört wurde und/oder ledig gebliebene, bzw. von ihren Nestbaupartnerinnen vertriebene Männchen, aus anderen (benachbarten) Brutgebieten verstärkt einwandern, d.h. ihr Brutgebiet über mehr oder weniger weite Strecken wechseln.
Als Mittelwert für den Nestbaubeginn wurde der 9.5. ermittelt. Differenziert man nach Erst- und Folgenestern, so liegen die Mittelwerte wie folgt: Erstnester 4.5., Zweitnester 17.5. und Drittnester 30.5. (Folgenester zusammen: 20.5.).

Brutbeginn, Schlüpfen und Ausfliegen der Jungen: Analog zum Nestbau stellen sich auch die Diagramme zum Brutbeginn, zum Schlüpfen und zum Ausfliegen der Jungen mit zwei Maxima dar. Letztere sind jedoch nicht mit Zweitbruten in Verbindung zu bringen.
Der Mittelwert des Brutbeginns fällt auf den 20.5., derjenige des Schlüpftermins der Jungen auf den 4.6. und der des Ausfliegens auf den 22.6.
Die ersten Weibchen beginnen Ende April mit dem Brutgeschäft (1991 bereits am 13.4.), die meisten kurz vor dem 10. Mai, sowie gegen Ende des Monats Mai, die letzten Anfang Juli. Die Schlupftermine der Jungvögel liegen etwa zwischen dem 10. Mai (früh: 26.4.1991) und Mitte Juli, mit Höhepunkten um den 20. Mai, sowie Anfang/Mitte Juni. Die Jungvögel verlassen ihr Nest zwischen Anfang Juni (früh: 16.5.1991) und Anfang August; die meisten Gesperre fliegen um Mitte Juni, sowie zu Anfang des Monats Juli aus.

Während all der Jahre wurde von mir mit ziemlicher Sicherheit nur eine einzige Zweitbrut im Jahre 1994 registriert, einem Jahr, welches sich durch einen besonders warmen und trockenen Sommer auszeichnete.
Der zeitliche Ablauf war in etwa folgender (Daten teilweise rekonstruiert):
Erste Jahresbrut: Nestbaubeginn 12.4., Bebrütungsbeginn 8.5., Schlüpfen der Jungen 21.5., Ausfliegen der Jungen 10.6.
Zweite Jahresbrut: Nestbaubeginn 3.6., Bebrütungsbeginn 28.6., Schlüpfen der Jungen 11.7., Ausfliegen der Jungen 31.7.
Zwischenzeitlich, vom 3. – 21.5., baute das Männchen ein unvollendetes Nest, und nachträglich begann es am 23.6. noch ein viertes Nest, das aber nur bis zum frühen Henkelkorbstadium ausgeführt und am 28.6. verlassen wurde. Die ausgeflogenen Jungen der ersten Brut wurden allem Anschein nach vom Männchen mehrere Wochen lang geführt; denn am 28.7. besuchte und „inspizierte“ es gemeinsam mit ihnen das Nest, in dem das Weibchen das zweite Gesperre aufzog, welches kurz vor dem Flüggewerden stand.

Verlassen der Nester und Brutreviere: In manchen Jahren werden die Brutreviere bereits mit dem Ausfliegen des Gros der Jungvögel um Mitte Juni verlassen (Mittelwert von 21 Jahren: 4.7.; Extremwerte: 15.6.1991 und 1996, bzw. 3.8.1994). Auch die meisten ledigen Männchen trennen sich dann von ihren nicht fertiggestellten Nestern (bis Mitte Juni 50%, bis Ende des Monats etwa 90%). - Bevor sie in den dichten Röhrichten verschwinden, kann man fütternde Weibchen mit ihren flüggen Jungen (aus Spätbruten) noch bis etwa Mitte August im weiteren Umkreis ihrer Brutreviere beobachten.

Kurze Erläuterung der Diagramme
Diagramm 1 (Phänologische Daten nach Dekaden): n = 159 (Nester). Beginn sämtlicher Aktivitäten oder Ereignisse. Sämtliche Entwicklungen zeigen zwei Kulminationen (z.B. Nestbaubeginn Ende April und Mitte Mai). Der zweite Gipfel ist, neben den Zweitnistungen, vermutlich auf Zuwanderung von Vögeln aus anderen Brutgebieten zurückzuführen, deren Brut dort gescheitert ist.
Begonnene Nester von 6./III bis 5./VI-Pentade; begonnene Bruten von 3./IV bis 1./VII-Pentade; frisch geschlüpfte juv. von 6./IV bis 3./VII-Pentade; ausfliegende juv. von 4./V- bis 1./VIII-Pentade.
Diagramm 2 (Nestbaubeginn Erst- und Folgenester): n = 110 (Erstnester). Beginnende Nestbauaktivitäten in Erst-, Zweit-, Dritt- und Viertnestern aufgeschlüsselt (36 Zweit-, 9 Dritt- und 2 Viertnester). Auch hier werden, insbesondere bei den Erstnestern, zwei Gipfel deutlich.
Begonnene Erstnester von 6./III bis 4./VI-Pentade; Zweitnester von 5./IV bis 3./VI-Pentade; Drittnester von 4./V bis 1./VI-Pentade; Viertnester von 1./VI bis 5./VI-Pentade.
Diagramm 3 (Summe der Aktivitäten nach Monats-Pentaden): Basierend auf Pentadensummen, d.h. der Gesamtzahl der mit dem Nestbau beschäftigten, der brütenden bzw. Nestlinge aufziehenden Vögel pro Monatspentade, unabhängig vom Fortschritt der jeweiligen Tätigkeit (d.h. nicht nur Beginne). Es dokumentiert sich auch hier eine Zweigipfligkeit aller drei Fortpflanzungsabschnitte; ausserdem wird ein flacher „Vorlauf“ sichtbar (frühe Nistungen in warm-trockenen Frühjahren), sowie ein unscheinbarer Drittgipfel im Sommer (teilweise aus echten Zweitbruten, s. 1994). Nestbauaktivitäten von 6./III bis 3./VII-Pentade (davon Männchennester von 1./IV bis 3./VII-Pentade); brütende Vögel von 3./IV bis 4./VII-Pentade; Nestlinge von 6./IV bis 1./VIII-Pentade.

Bemerkung: Die hier angewandte Einteilung nach Pentaden geht nicht vom Ersten des Jahres aus, sondern vom jeweiligen Monatsersten.

 

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