|
|
 |
 |
|
Nach neuerer Systematik (VAURIE1957, NIETHAMMER et al.1964) wird die Familie Remizidae (Beutelmeisen) innerhalb der Oberfamilie Paroidae (Meisenartige und Honigvögel) zwischen die Familien Aegithalidae (Schwanzmeisen) und Paridae (Meisen) gestellt. Die Abgrenzung zu genannten Familien erfolgt nach morphologischen, insbesondere jedoch nach verhaltenskundlichen Merkmalen. Hier seien nur die wichtigsten genannt: Beutelmeisen sind kleine bis sehr kleine, agile Singvögel mit relativ kurzen Flügeln und kurzem Schwanz , wobei der Schwanz kürzer als der Flügel ist. Die Beine sind kurz und kräftig, mit kräftigen, stark gekrümmten Zehen. Beutelmeisen besitzen einen sehr spitzen Schnabel mit geradem First, während letzterer bei den (echten) Meisen leicht gebogen ist. Das Alterskleid weist bei manchen Arten intensive Färbung auf. Einige Arten / Unterarten zeigen Sexualdimorphismus. Bei den Beutelmeisen fallen besondere Bewegungsmuster auf, vor allem das Rotieren um Zweigachsen. Beutelmeisen bauen geschlossene Nester, bei den Beutelmeisen i.e.S. (Remiz) mit röhrenförmigem Eingang, der sich bei den afrikanischen Schließbeutelmeisen (Anthoscopus) sogar verschließen läßt (Bild s.u.). Dies setzt diffizile und aufwendige Nestbautätigkeiten voraus. Der entscheidende Unterschied zu anderen Familien der Paroidae besteht jedoch darin, dass alle Beutelmeisen in der Lage sind, typischerweise ihren Fuß als Greiforgan einzusetzen, sei es bei der Nahrungssuche (Remiz und Cephalopyrus) oder beim Öffnen und Verschließen der Brutröhre (Anthoscopus). Von der Gattung Remiz ist bekannt, dass bei ihr (sukzessive) Polygamie vorkommt.
Der Gattungsname Remiz, ein antiker Vogelname, wurde erstmals von dem polnischen Wissenschaftler JAROCKI (1819) eingeführt und wird seit HARTERT (“Die Vögel der paläarktischen Fauna” Zusätze und Berichtigungen zu Band I;1921/22) allgemein verwendet. Vorher gab es unterschiedliche Bezeichnungen.
|
 |
|
|
 |
 |
 |
|
Zur Familie Remizidae gehören vier Gattungen: Remiz, Anthoscopus, Auriparus und Cephalopyrus.
Gattung Remiz Beutelmeisen im engeren Sinne Hierzu gehört “unsere” Beutelmeise; Remiz pendulinus pendulinus, die in Europa und Kleinasien vorkommt und die sie weiter östlich bis zum Uralflußgebiet vertretende Unterart R. pendulinus caspius (mit rotbraunem Scheitel). Weitere 6 Unterarten leben im asiatischen Raum, darunter die Kronenbeutelmeise, R. pendulinus coronatus im mittleren Teil, während R. pendulinus consobrinus (“Graukopfbeutelmeise”) den östlichsten Teil zwischen Amur und Huang-He besiedelt. (Die Systematik ist noch im Fluss. Erschwerend wirkt sich dabei u.a. aus, dass es in einigen asiatischen Areal-Grenzregionen Übergangsformen gibt). Alle bauen beutelförmige Nester in Sumpfgebieten, meist an Bäumen, weniger im Schilf. Nur die schwarzköpfige und etwas größere “Rohrmeise”, Remiz p. macronyx, die in Kasachstan vorkommt, sowie die ihr ähnelnde R. p. nigricans, Iran und Afghanistan, sind ausschließlich rohrbrütend (mit Ausnahme einer Mischform am südlichen Ufer des Kaspischen Meeres).
Gattung Anthoscopus “Schließbeutelmeisen” 6 Arten mit 16 Unterarten auf dem afrikanischen Kontinent. (Reihenfolge nach Verbreitung, in etwa von Nord nach Süd): Sudan- (A. punctifrons), Senegal- (A. parvulus), Goldstirn- (A.flavifrons), Grau- (A. musculus, östlich siedelnd), Weißstirn- (A. caroli) und Kapbeutelmeise (A. minutus). Sämtliche Arten bauen Beutelnester, mit verschließbarer Röhre (daher der Name; Nest siehe unten). Vorkommen sowohl in Feucht-, als auch in Trockengebieten. Es handelt sich um sehr kleine Vögel mit recht unterschiedlicher Gefiederfärbung: von grüngelb (Senegalbeutelmeise) bis mausgrau (Graubeutelmeise). Gattung Auriparus Goldkopfmeisen 1 Art (Auriparus flaviceps) mit 3 Unterarten in Nordamerika (Sonora-Halbwüste im SW der USA und in NW-Mexico einschl. Baja California). Das “stachelige” Nest hat eine kugelige Form mit Schlupfloch. Die Art besiedelt trockene Lebensräume.
Gattung Cephalopyrus Flammenstirnchen 1 Art (Cephalopyrus flammiceps) mit 2 Unterarten in Asien, in einem breiten Streifen südlich der Gebirgsketten des Himalaya. Höhlen- und Halbhöhlenbrüter in Bergwäldern.
|
|
|
 |
 |
|
Die afrikanischen Schließbeutelmeisen (Anthoscopus) werden als die ursprünglicheren Arten innerhalb der Remizidae angesehen. Wie ihre Verwandten in Europa und Asien bauen sie kunstvolle geschlossene Nester, die an einem Zweig hängen. Doch ein gravierender Unterschied besteht darin, dass die Brutröhre, weil mit einer Art “Gelenk” ausgestattet, verschließbar ist. Das Verschließen der Röhre beim Verlassen des Nestes bewerkstelligt der Vogel typischerweise mittels eines Fußes; ebenso das Öffnen. Durch das Zusammendrücken der Röhre werden Baumschlangen und andere Räuber, die es auf das Gelege abgesehen haben, abgewehrt. Auf der Zeichnung ist das Nest mit geschlossener Brutröhre dargestellt (unterhalb der Röhre bildet sich eine schattige Nische, die möglicherweise eine Öffnung vortäuscht). Der Schnitt oben zeigt das Nest mit offener, unten mit geschlossener Röhre.
|
|
 |
 |
|
Zur Verbreitung der Unterarten von Remiz pendulinus
|
|
|
 |
 |
|
Nach den in u..g. Publikation genannten Verbreitungsgebieten der acht Unterarten von Remiz pendulinus habe ich die nebenstehende Karte entworfen (Stand: etwa 1990). VAURIE (1957) schlug folgende Unterteilung der Beutelmeisen in vier Gruppen vor: Pendulinus-Gruppe 1 R. p. pendulinus 2. R. p. caspius 3. R. p. jaxarticus Coronatus-Gruppe 4. R.p. coronatus 5. R.p. stoliczkae Macronyx-Gruppe 6. R. p. macronyx 7. R. p. nigricans Consobrinus-Gruppe 8. R. p. consobrinus
Manche Autoren vertreten die Meinung, die “Gruppen” als Arten aufzufassen und die Mischformen als Variationen innerhalb der Art.
Das Vorkommen der Beutelmeisen ist bei weitem nicht flächendeckend. Sie leben nur in geeigneten Habitaten, vor allem in Ufergebüschen und Röhrichten an Fluß- und Seeufern, auch wenn diese in Steppen- und Halbwüstenregionen eingebettet sind. Ausnahmsweise befinden sich die Nester auch weiter ab von Gewässern.
|
|
|
|
 |
 |
|
Kennzeichen der Unterarten von Remiz pendulinus
|
|
|
 |
|
|
|
Gruppe
|
Kopfzeichnung
|
Rückengefieder
|
Schnabel
|
Füße
|
Schwanz
|
Körper
|
Nistweise
|
|
pendulinus
|
Stirn und Augenbinde (“Maske”) schwarz caspius: Scheitel rotbraun (pendulinus: nur schmales rotbraunes Stirnband)
|
|
spitz
|
Hinterkralle stärker gebogen
|
|
|
Nest in der Regel in Büschen und Bäumen hängend (Neusiedlersee/Austria: vieleSchilfbrüter; Nest .s.o.)
|
|
coronatus
|
schwarze Augenbinde hinten geschlossen; Scheitelfärbung: Schwarzanteil variabel
|
|
spitz
|
(ähnl. pendulinus)
|
|
|
(wie pendulinus)
|
|
macronyx
|
schwarzköpfig
|
dunkel rotbraune Töne überwiegen
|
etwas kräftiger, oben leicht zus.gedrückt
|
etwas kräftiger; Hinterkralle weniger gebogen
|
rel. lang
|
etwas größer und kräftiger
|
Nest (s.o.)zwischen zwei Schilfhalmen eingeflochten(Südufer des Kaspisees: auch baumbrütend; 6a)
|
|
consobrinus
|
schwarze Augenbinde
|
|
spitz
|
(ähnl. pendulinus)
|
rel. kurz
|
|
(wie pendulinus)
|
|
 |
 |
|
Als weiterführende Literatur ist zu empfehlen: Schönfeld, Manfred: Die Beutelmeise: Remiz pendulinus; mit einer umfassenden Übersicht der Familie Remizidae. Magdeburg: Westarp-Wissenschaften, 1994 (Die Neue Brehm-Bücherei; Bd. 599)
|
|