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Reviergröße: Bei der Beutelmeise spielt der relativ leise Gesang, der nur in einem Umkreis von höchstens 50 m hörbar ist, für die Markierung des Reviers offenbar nur eine sehr untergeordnete Rolle. Dagegen sind die lauten „Ziih“-Rufe des Männchens, die im Frühjahr auf Rundflügen im späteren Nistrevier und danach besonders am Nest (stationär) geäußert werden, für Partnersuche und Revierabgrenzung von großer Bedeutung. Dieser für die Art charakteristische Ruf ist bereits aus 100 m Entfernung gut wahrnehmbar, bei aufmerksamem Lauschen - ohne Beeinträchtigung störender Nebengeräusche - sogar aus 150 – 200 m Distanz. Durch die „Rufweite“ scheinen die Abstände zu den Nachbarrevieren und die Größe des Nistreviers eines Männchens fixiert zu sein; denn im Gebiet lagen die Nester verschiedener Männchen meist 300 – 400 m auseinander, mindestens aber 100 m (durchschnittlich 850 m, n = 75). Bezeichnenderweise führte die Unterschreitung dieses „Sicherheitsabstandes“ im Jahr 1988 (in einem Fall nur 50 m), wohl bedingt durch die im Verhältnis zu anderen Jahren maximal dichte Besiedlung des am Malliner See zur Verfügung stehenden Areals, zur Verwüstung eines der beiden Nester durch den Nestnachbarn. Die Entfernung zwischen dem Erstnest und den Folgenestern eines und desselben Männchens betrug vorwiegend zwischen 1 und 100 m (meist 50 m, maximal 300 m; durchschnittlich 82 m, n = 39) und entsprach somit der Weite, in der das (vom Brutnest vertriebene) Männchen mit seinem vormaligen Weibchen in Rufkontakt bleiben und mit diesem in einigen Fällen sogar eine lockere Beziehung weiter aufrecht erhalten konnte. In einigen Fällen verschwand das Männchen nach der Vertreibung ganz von der Bildfläche und bezog offenbar ein neues, entfernt liegendes Revier. Diese Beobachtung und auch das Auftauchen “neuer” Männchen während der Brutperiode spricht für das von vielen Autoren festgestellte “Durchmischen” innerhalb von Beutelmeisenpopulationen. Am Malliner See wurden lediglich die relativ schmalen Uferstreifen (Ufergebüsch und vorgelagerter Schilfgürtel) bewohnt, die im Mittel eine Breite von etwa 50 m aufweisen. Die durchschnittliche Größe eines “Männchen-Reviers”, in dessen Grenzen sich oftmals das Erstnest und die Folgenester befanden (in mehreren Fällen verließen allerdings die Männchen den Umkreis ihres Erstnestes), kann man mit etwa 200 m x 50 m annehmen, entsprechend einer Flächengröße von etwa 10 000 m2 (1 ha). Die Reviergröße kann je nach natürlicher Ausstattung des Habitats und auch entsprechend der jahrweise unterschiedlichen Dichte der Besiedlung variieren (um etwa 0,5 ha). Als Beispiel sei ein Männchen-Revier am SE-Ufer des Malliner Sees mit 4 Nestern und 2 erfolgreichen Bruten, beide höchstwahrscheinlich mit demselben Weibchen, aus dem Jahr 1994 beschrieben: Das unvollendete Nest 2 befand sich 150 m westlich von Nest 1 (darin 1. Brut im Mai/Juni); Nest 3 (darin 2. Brut im Juli) hing in demselben Baum wie Nest 2, während das unvollendete Nest 4 im Baum von Nest 1 gebaut wurde. Das nächstgelegene Nest eines anderen Männchens war etwa 200 m in westlicher Richtung von Nest 3 entfernt (Reviergrenze etwa in der Mitte). Zur Niststoffgewinnung für Nest 1 diente u. a. ein 50 m weiter östlich gelegenes vorjähriges Nest. Somit erstreckte sich dieses Männchen-Revier, dem Ufer folgend, über eine Länge von etwa 300 m und hatte somit eine Größe von rd. 1,5 ha. Die Gewinnung von Nistmaterial erfolgte in einem Radius bis zu 50 – 70 m um das Nest herum, häufig auch unmittelbar unter dem Nest oder in einem Abstand von wenigen Metern. Auf der Suche nach Nestlingsnahrung flogen die Altvögel bis zu 70 – 100 m weit, selten weiter. Die Vegetation in direkter Nestnähe wird weniger häufig auf Nahrung hin untersucht. Ich habe nie festgestellt, dass sich Vögel benachbarter Reviere bei diesen Tätigkeiten begegneten. Wohl aber treffen Weibchen, die ihre Jungen füttern, und manchmal auch brütende Weibchen in den Brutpausen, bei ihren Ausflügen gelegentlich mit ihren in der Nähe nistenden vormaligen Partnern zusammen, die ihnen dann bisweilen bis zum Nest folgen, auch wenn sie dort wieder vertrieben werden. Beispielsweise beobachtete ich am 4.5.1994 in dem oben beschriebenen Revier, dass das Weibchen von Nest 1 etwa 4 Tage vor Brutbeginn dem Männchen an seinem neuen Nest (Nr. 2; im Stadium der Hängematte) einen Besuch abstattete, vom Männchen erfolgreich angelockt wurde und sich sogar kurzzeitig an Nestbauarbeiten beteiligte, sich dann aber Nistmaterial vom Nest abriss (!) und damit in Richtung Brutnest verschwand. Nest 2 erreichte als „Männchennest“ einen relativ hohen Vollendungsgrad, abgesehen von der etwas zu weit geratenen Röhre, sodass man eine weitere zeitweise Beteiligung des Weibchens an Nestbauaktivitäten in den Brutpausen vermuten darf. Doch zu einer Ablage von Eiern in dieses Nest kam es nicht.
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Brutreviere und Reviere der Einzelmännchen: Ledige Männchen, die mit dem Nestbau begonnen haben und deren Werbungsversuche bisher erfolglos blieben, statten ihren Nachbarn, vermutlich sogar täglich, kurze provokative Besuche ab, wobei Entfernungen bis zu 500 m und mehr (in Einzelfällen vermutlich über 1 km) zurückgelegt werden. Die Männchen fliegen am Ufer rufend in bis zu 20 m Höhe auf ihr Ziel zu, das sie offensichtlich bereits kennen, gehen in ziemlicher Nähe des Nestes in einem Busch nieder und versuchen dann, bis direkt ans Nest zu gelangen. Solche aggressiven Vorstöße enden in der Regel damit, dass der ungebetene Besucher energisch vom Reviermännchen vertrieben wird (am Brutnest manchmal auch dann, wenn das temporäre Partnerschaftsverhältnis bereits gelöst wurde und das Reviermännchen schon ein neues Nest begonnen hat, wie ich 1994 feststellen konnte). Brütende oder Junge fütternde Weibchen besorgen dies allerdings meist allein. Trotzdem gelingt es dem Eindringling gelegentlich, in Abwesenheit des Nestbesitzers, bereits eingebautes Nistmaterial zu stehlen. Doch nicht die Gelegenheit, Niststoffe zu entwenden, scheint das eigentliche Motiv für das Eindringen in fremde Reviere zu sein, sondern vielmehr die Erwartung, dort ein Weibchen anzutreffen; denn hauptsächlich werden Paar- und Brutnester aufgesucht. In diesem Sinne dienen die Besuche primär dem Einholen aktueller Informationen (über den Stand der Brutpflegeaktivitäten oder ob das Nest inzwischen verlassen wurde). Ob in einigen Fällen auch eine “Abwerbung” des Weibchens erfolgte, konnte nicht nachgewiesen werden. Die Anwesenheit eines oder mehrerer Weibchen im Brutgebiet (z.B. an einem See) scheint stimulierend auf den Nestbautrieb lediger Männchen zu wirken, d.h. dies veranlaßt sie vermutlich zur Nestgründung und zum Weiterbauen, auch wenn eine Verpaarung ausbleibt. Im Sinne der Schaffung einer „Brutreserve“ für den Fall des Scheiterns der Erstbruten ist das biologisch durchaus sinnvoll. Auch wenn in den meisten Fällen nicht unmittelbar nachweisbar, so kann man doch vermuten, daß eine latente Beziehung zwischen dem Geschehen an den Brutnestern und der Bautätigkeit lediger Männchen besteht. So beendet ein Teil der Einzelmännchen (in etwa 25 % der Fälle konstatiert) seine Nestbauaktivitäten zum ungefähren Zeitpunkt des Verschwindens eines Weibchens vom „Bezugspunkt“ Brutnest (bei Ausfliegen der Jungen, Vernichtung der Brut, etc.) und verläßt die unvollendeten Nester. Bezüglich des Männchens, welches vordem mit dem Weibchen verpaart war, ist dieser Zusammenhang ganz offensichtlich und nahezu regelmäßig feststellbar. Natürlich können auch andere Gründe zur Aufgabe des Nestes führen. Die Ursachen dafür waren bei der Feldbeobachtung meistens nicht eindeutig zu klären. Doch auch phänologische Vergleiche sprechen vielleicht für die obige Vermutung; denn 50 % der Gesperre fliegen vor dem 22.6. aus, das Gros in der 2. Junidekade. Auffallend ist nun, daß bis zum 20. Juni die überwiegende Mehrzahl der Nester unverpaarter (und im gesamten Jahr unverpaart gebliebener) Männchen aufgegeben werden (nur wenige bauen noch bis spätestens 10. Juli). Da auch noch bis Anfang August einige wenige Weibchen mit der Nestlingsfütterung beschäftigt sind, es sich hierbei jedoch vorwiegend um Ersatzbruten (und seltenen echten Zweitbruten) handelt, wäre zu schlussfolgern, dass die meisten Einzelmännchen auf die normalen Erstbruten „fixiert“ sind, deren Nester (= Bezugspunkte) ihnen bereits bei ihrer Ankunft im Frühjahr vor Gründung des eigenen Nestes bekannt geworden waren und die ihnen Anlaß zur Ansiedlung (gewissermaßen als „Satelliten“ der Paarnester) im betreffenden Brutgebiet gaben. In sämtlichen Jahren handelte es sich bei den im Frühjahr zuerst nistenden Beutelmeisen um (nach Baubeginn) verpaarte Tiere. Nestbauten einzelner (unverpaart bleibender) Männchen folgten erst in mindestens 10 – 20 tägigem Abstand. Siedlungsdichte: Vorausschickend sei bemerkt, daß der Statistik über die Abundanzen der einzelnen Jahre die Einheit „Männchen pro 10 ha Flächengröße“ von mir zugrunde gelegt wurde, da man die Männchen als Revierinhaber wie potentielle Brutpaare werten kann, ungeachtet ihres Brutstatus (verpaart oder unverpaart). Die Zählungen beziehen sich auf die Fläche sämtlicher Uferweidichte und Ufergehölze (ca. 21 ha) am Malliner See. Während in Periode I eine durchschnittliche Abundanz von 1,7 (min. 0,5; max. 2,9) zu verzeichnen war, erreichte diese in Periode II einen Wert von 3,2 (min. 1,9; max. 5,2). Beide Perioden zusammen genommen ergeben einen Durchschnittswert von 2,9. Erstaunlicherweise kulminieren in Periode I die Werte gleich zu Beginn, während in Periode II die höchste Stufe der Siedlungsdichte erst im 7. Jahr erreicht wurde. Im übrigen verweise ich auf den Abschnitt “Bestandsentwicklung”.
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